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Die 21-Tage-Herausforderung
Kürzlich habe ich das Buch „Einwand-frei“ von Will Bowen, einem amerikanischen Prediger, gelesen. Im Klappentext verspricht der Verlag: In 21 Tagen zu einem jammerfreien Leben. Eine herrliche Vorstellung: Ein jammerfreies Leben. Wundervoll!
Der wesentliche Inhalt ist schnell erzählt und Sie können sich den Kauf des Buches sparen. Der Autor stellt darin fest, dass sich seine Landsleute den lieben langen Tag über ständig beklagen. Und wenn sie sich nicht gerade beklagen, dann lästern und schimpfen sie oder lassen sich über alles Mögliche aus. Allerdings ist Jammern auch in Deutschland die Fremdsprache Nummer 1. Den ganzen Tag sind wir schlecht drauf. Was wir wissen ist, dass wenn wir schlecht drauf sind, dieses negative Denken auch unsere Worte dementsprechend ausfallen lässt. Nun hat Bowen aber den Umkehrschluss gezogen und aufgezeigt, dass es umgekehrt genauso ist: Wenn wir jammern, beeinflusst dies auch unsere Gedanken negativ. Und wenn unsere Gedanken negativ sind, dann fallen auch unsere Ergebnisse dementsprechend aus. Daher lautete sein Credo dementsprechend: „Wenn du es schaffst, deine Worte zu kontrollieren, also dich nicht mehr negativ zu äußern, dann werden deine Gedanken positiver und dann wird sich dies auch positiv auf dein Leben auswirken.“ Klingt plausibel.
Allerdings ist das Entwickeln neuer Gewohnheiten – vor allem in der Anfangsphase – gar nicht so einfach. Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Neuerung stellen sich besonders in den ersten Tagen ein. Daher gilt es, diese Zeit zu überstehen.
Die Dauer für eine metakognitive Verankerung, um eine neue Gewohnheit zu etablieren, haben Wissenschaftler mit 21 Tagen beziffert. So lange dauert es, bis wir unser Unterbewusstsein dementsprechend beeindruckt und uns das neue Verhalten angeeignet haben. Wenn Sie etwas über diesen Zeitraum hintereinander täglich durchführen, stehen die Chancen gut, dass Sie dies ewig so fortsetzen werden. Denn nach 21 Tagen werden die inneren Widerstände so stark sinken, dass die neue Gewohnheit etabliert ist.
Probieren Sie es aus: Ob Sie sich nun beispielsweise vornehmen, künftig gesünder zu leben, indem Sie täglich Sport treiben oder jeden Tag einen Apfel essen. Ganz egal. Wenn Sie es 21 Tage lang schaffen, ist es in Ihrem Unterbewusstsein gelandet und Sie werden es höchstwahrscheinlich ein Leben lang weiter machen, weil Sie es durch eine neue Gewohnheit automatisiert haben. Sie müssen nicht mehr darüber nachdenken.
Wichtig dabei ist, dass es drei Wochen am Stück sind. Wenn es also innerhalb der ersten 3 Wochen zu Fehlschlägen oder Rückschritten kommt, beginnt der Zeitraum von vorne.
Machen Sie es sich während diesem Zeitraum also so leicht wie möglich. Wenn Sie beispielsweise beschlossen haben, jeden Morgen um 6.00 Uhr aufzustehen, um sich eine halbe Stunde der eigenen Weiterbildung zu widmen, gehen Sie frühzeitig ins Bett. Nach spätestens 3 Wochen wachen Sie automatisch um 6.00 Uhr auf, auch wenn es abends deutlich später geworden ist.
Zurück zu dem amerikanischen Autor und seiner Idee: Bowen hat darüber nachgedacht, wie er das Säen einer positiven Angewohnheit unterstützen könnte und lies sich eine Art visuellen Anker einfallen. Er hat in seiner Gemeinde in Amerika ein lilafarbenes Armband aus Gummi verteilt und sagte: „Die Herausforderung ist, sich 21 Tage am Stück nicht mehr zu beschweren. Wenn du es vier Tage geschafft hast und am fünften Tag sagst „So ein Mistwetter, ich hab heute überhaupt keine Lust zu joggen!“, dann musst du das Armband von rechts nach links wechseln - oder umgekehrt - und fängst wieder bei Tag Eins an.“
Diese Idee fand ich sehr spannend. Im Grunde geh es darum, sein Leben zu verbessern und das in nur 21 Tagen. Also habe ich gesagt: „Mach' ich - ist kein Problem!“ Allerdings hat der Autor auch davon berichtet, dass das mit dem Jammern schwerer ist, als man denkt. Im Schnitt dauere es mehr als drei Monate, bis man 21 Tage am Stück erfolgreich meistert. Da ich nun aber als Trainer und Coach schon rein berufsbedingt ein absoluter Optimist bin und Worte einigermaßen bewusst einzusetzen verstehe, war mein erster Gedanke: „Bei mir gar kein Thema, 21 Tage sind kein Problem.“.
Was wirklich geschah: Nach viereinhalb Monaten ist das Armband gerissen. Wegen der ständigen Wechselei. Und wissen wie bei welchem Tag ich war? Tag Eins. Ich hatte keine Chance. Zu meiner Verteidigung sei erwähnt: Ich bin leidenschaftlicher (und dieses Adjektiv ist wörtlich zu verstehen) Fan eines eher unterdurchschnittlichen Fußballvereins. Und als Nürnberg-Anhänger ist es schlichtweg unmöglich, drei Wochen nicht zu jammern. Nächste Hürde: Ich habe Kinder. Die hätten am Tisch rumturnen können, ich hätte mir trotzdem auf die Zunge beißen müssen, mich aber nicht beklagen, schimpfen oder jammern dürfen. So streng jedenfalls war meine Definition.
Fazit: Ich bin an meinem guten Vorsatz gescheitert. Und so habe ich ihn wieder begraben. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?
Dennoch hat mich die Idee mit dem Armband nicht mehr losgelassen. Und so wurde der Gedanke geboren: Das lässt sich doch auch für etwas anderes einsetzen.
Also habe ich mir die Frage gestellt: Wie würde es unser Unternehmen ändern, wenn wir unser wichtigstes Ziel so ernst nehmen, dass wir jeden Tag einen Schritt darauf zu machen, egal wie klein er auch sein mag? Vielleicht mache ich nur einen Anruf und schreibe tags darauf eine Mail.
Selbst wenn ich ein so großes Ziel wie eine Weltreise plane, kann ich an einem Tag im Reisebüro anrufen, um mich nach dem Preis zu erkundigen und am nächsten Tag im Internet die Route festlegen. Oder, um bei dem Beispiel positiver Kommunikation zu bleiben: Einfach für drei Wochen jeden Tag einer anderen Person aus dem Freundeskreis eine Aufmerksamkeit zukommen lassen: Durch einen Anruf oder indem man eine Postkarte – keine E-Mail - schreibt (so richtig von Hand, wie man es früher gemacht hat). Wenn Sie vorhaben, gesünder zu leben, indem Sie jeden Tag einen Apfel essen, dann tun Sie das.
Völlig egal, wie Sie diesen Anker nutzen, Sie können es für alles einsetzen.
Das war genau das, was ich brauchte. Also habe ich mir ein weiteres Gummiarmband besorgt, mir ein für mich wesentliches, berufliches Ziel gesetzt und mich daran gemacht, für 21 Tage jeden Tag einen Schritt auf das Ziel zuzugehen, und sei er noch so klein. Es hat super angefangen, ich bin direkt bis Tag Fünf gekommen, bevor ich das erste scheiterte. Zweiter Versuch. Wieder Tag Fünf. Dann erneut einen Tag nicht geschafft und wieder von Vorne angefangen. Dann habe ich plötzlich gemerkt, woran es scheitert. Es war kein Problem, von Montag bis Freitag einen Schritt in Richtung meines Zieles zurückzulegen. Hier habe ich eine Mail geschrieben, dort habe ich Zeit in die Planung investiert. Nur jedes Mal am Wochenende ruhte mein berufliches Ziel. Samstag und Sonntag habe ich nichts gemacht.
Durch diese Erkenntnis habe ich schließlich herausgefunden, wie wichtig es ist, voraus zu planen, um die 21-Tage-Herausforderung zu meistern. Was könnte ich am Wochenende tun, um zwar weiterhin für die Familie da zu sein und trotzdem wenigstens 15 Minuten an meinem Ziel zu arbeiten? So habe ich mir also am Freitag einen kurzen Anruf für Samstag und die Lektüre eines wesentlichen Fachartikels für Sonntag vorgenommen.
So ist es mir schließlich im dritten Anlauf gelungen, Tag sechs und sieben zu überstehen. Montags war ich bereits bei Tag Acht. So weit hatte ich es bei meinem ersten Versuchen nie gebracht. Das war unglaublich motivierend. Nur noch zwei Tage und ich war schon bei Tag Zehn, einem zweistelligen Ergebnis. Dann konnte ich bereits anfangen, runter zu zählen. Jetzt lief also der Countdown: Noch neun Tage, noch acht usw. Es hat alles wunderbar funktioniert bis ich bei Tag 19 angelangt war. Für jenen Freitag hatte ich meinen Sohn versprochen, eine Nacht bei ihm im Bett zu schlafen. Zu dem Zeitpunkt war er acht Jahre alt. Wer je ein Kind in dem Alter hatte, weiß, was das für den Nachwuchs bedeutet. Ein Achtjähriger, dem der Vater verspricht, er übernachtet eine Nacht mit ihm in seinem Bett, hat eine To-do-Liste, die länger ist als alles, was sich ein ausgelasteter Geschäftsmann für eine komplette Woche vornimmt: Also erst mal wird gespielt, dann lesen wir, dann kämpfen wir noch, gekuschelt wird natürlich auch und dann will er mir noch die Dinos zeigen, die Nachts leuchten. Es war ein Wahnsinns-Programm. Es war Viertel nach Zehn, wir lagen im Bett, der Vorleseteil war gerade zu Ende und plötzlich fiel mir ein, das ich an diesem Tag noch nicht einen einzigen Schritt auf mein Ziel zu gemacht hatte. Es war Tag 19. Also habe ich es meinem Junior erklärt. Glücklicherweise hatte er Verständnis. Er kannte ja das Armband, weil er selber eines trug, da sein Handgelenk allerdings zu schmal war, hat er es am Fuß getragen. Er war immer noch bei Tag Eins, weil er jeden Tag wechseln musste, an dem er nicht mindestens eineinhalb Liter getrunken hatte. Das hatte er zuvor noch nie geschafft, das war quasi eine Art Dauerthema und damit sein Projekt. Also hat er mir verständnisvoll entgegnet: „Kein Problem Papa, ich warte so lange auf dich.“ Das hielt ich allerdings für keine gute Idee. „Nein, ich habe es schließlich versprochen. Wir machen das so: Wenn du eingeschlafen bist, gehe ich kurz runter. Und danach leg´ ich mich sofort wieder zu dir.“. Soweit der Plan. Mein Sohn. Acht Jahre. Einschlafen vor dem Papa? Keine Chance. Als mir die Augen schon fast zufielen, war er immer noch topfit und ist im Bett rumgesprungen. Irgendwann sind wir dann beide eingenickt. Gegen Viertel nach zwölf stand ich dann auf einmal senkrecht im Bett, weil mich mein Unterbewusstsein geweckt hat. Also schlich ich mich nach unten , um noch ein paar Anzeigen zu korrigieren. Das sollte man – wie ich seither weiß – übrigens immer im Halbschlaf machen, weil man gleich viel kreativer ist. So bin ich schon nach etwa 15 Minuten wieder zu ihm ins Bett gestiegen mit dem guten Gefühl, das mich am darauffolgenden Morgen Tag 20 erwartete. Und einen Tag später konnte ich dann das Armband endlich abnehmen. Daraus habe ich übrigens die Erfahrung abgeleitet: Legen Sie den erforderlichen Schritt auf Ihr Ziel möglichst bereits morgens zurück.
Habe ich mein Ziel innerhalb der 21 Tage erreicht? Nein, dafür war es zu groß. Aber da ist gar nicht wichtig. Wichtig ist vielmehr, dass es zur Gewohnheit wird, und wenn Sie jeden Tag das gleiche tun und einen Schritt auf Ihr Ziel zugehen, stehen die Chancen sehr gut, dass es nach 21 Tagen automatisiert ist. Da Sie unmittelbar reagieren und das Armband auf das andere Handgelenk wechseln, wird das Armband Sie auch disziplinieren. Vor allem aber verspreche ich Ihnen, dass Sie Ihrem Ziel in dieser Zeit zumindest wesentlich näher kommen werden. Und wissen Sie, was sich durch diese Herausforderung vor allem verändern wird? Ihr Denken und Ihre Einstellung. Sie werden keine Woche mehr leben, in der Sie sagen: „Ich hab diese Woche nichts getan, was mich meinem persönlichen Ziel näher bringt.“ Und dabei spielt es keine Rolle, was Sie sich vornehmen. Wichtig ist nur, dass Sie es wirklich umsetzen.
Genau das ist es, wozu ich Sie anregen möchte: Suchen Sie sich ein wichtiges Ziel aus und fangen Sie an!
Die 21 Tage-Herausforderung - So funktioniert's:
Ihre Aufgabe lautet:
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Wählen Sie ein erstrebenswertes Ziel aus.
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Streifen Sie das rote Armband über Ihr linkes oder rechtes Handgelenk.
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Sie ertappen sich dabei, dass Sie an einem Tag keinen Schritt auf Ihr Ziel zugehen?
Nun: Wechseln Sie das Armband auf das andere Handgelenk und beginnen Sie von vorne.
Wechseln Sie das Armband jedes Mal auf das jeweils andere Handgelenk, wenn Sie den Weg des kontinuierlichen Schrittes verlassen.
Das ist alles. Es klingt einfach. Und doch wird es möglichweise eines der schwierigsten und lohnendsten Unterfangen in Ihrem Leben. Sie werden feststellen: Dieses 21 Tage-Übungsprogramm verändert Ihr Leben. Sie werden bis zu einigen Monaten brauchen, bis Sie diese 21 Tage in Folge schaffen. Sie werden in diesen Monaten mit möglicherweise hundert und mehr Menschen über Ihr Armband und die damit verbundende Herausforderung sprechen.
Übrigens: Dazu brauchen Sie nicht zwingend ein Armband. Sie können genauso gut sagen, „OK ich nehm jetzt eine Münze von einer Tasche in die andere oder drehe einen Ring um.“
Die alles entscheidende Botschaft lautet: Tu es!
Stellen Sie sich dieser 21 Tage Herausforderung. Das ist alles. Sie schaffen das!
Viel Erfolg beim Erreichen Ihres Zieles!
Martin Geiger
Effizientertainer ®
Trainer des Jahres 2007
Produktivitätsexperte Martin Geiger hat es sich als Keynote-Speaker, Vortragsredner und Coach zur Aufgabe gemacht, seinen Kunden zu effektiv besseren Ergebnissen zu verhelfen. Die Europäische Trainerallianz wählte ihn hierfür 2007 zum Trainer des Jahres. Heute gilt der gefragte Referent als ausgewiesener Experte für die Steigerung persönlicher und unternehmerischer Produktivität. Der Effizientertainer® vermittelt seinen Zuhörern in unterhaltsamen und praxisnahen Vorträgen die sofort umsetzbaren und nachhaltig wirksamen Strategien des Zeitmanagements 3.0.